„Wer sagt denn, dass ich se erschieße? Nee, dat mach ich anders. Ich werde se ... ach, ich sach dir besser nix, sonst packste hinterher noch als Zeugin gegen mich aus!“


Die Wirtin zog die Stirn in Falten und schüttelte den Kopf. Stumm spülte sie die Gläser der Gäste, die gegen 23 Uhr gegangen waren. Seit drei Wochen kam Siggi zu ihr und verkündete seine Mordgedanken. Sie hatte zwar mal überlegt, mit Annemie zu reden, aber erstens gab es in ihrer Kneipe viel Getratsche, das man nicht ernst nehmen sollte und zweitens konnte sie doch nicht einfach zu ihr gehen und sagen ‚Hörma, dein Alter will dich entsorgen!‘ Bislang beschwerte sich Siggi darüber, wie ihm seine Frau auf die Nerven ging, seit er nicht mehr auf Schicht arbeitete. Zuhause schwallte sie ihn immer mit Horoskopen und anderem Astro-Zeug voll. Aber Mord ... das war neu!


„Sach mal, Siggi, wat is eigentlich passiert, dat du die Annemie so auf‘n Korn hast? Dat mit die Horoskope allein kannet doch nich sein!“

„Weißte Maggy, seit fuffzehn Jahre fahren wir nach die Mecklenburgische Seenplatte, weil et da so schön ruhig un auch noch preiswert is. Vor drei Wochen sacht Annemie zu mir, dat ging dies Jahr nich mehr. Sie hätt da so‘n Kurs gemacht, gezz legt se sich immer die Karten, dann pendelt se, un meint, die Sterne wär‘n schlecht für Mecklenburg! Ich frach se: Ham wir all die Jahre immer nur Glück gehabt, oder wat? Wie ham wir dat bisher ohne die Sterne geschafft, lebendig wiederzukommen? Meint se nur, ich hätt keine Ahnung un sie fährt jedenfalls nich nach die Seenplatte. Wat würden denn die Sterne sons so empfehlen, wollt ich wissen? Un wat glaubste? Dominikanische Republik.“

„Dat is doch auch nich schlecht. Wat haste denn dagegen?“

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Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu jenen, die beim Schreibwettbewerb des Schreib-Lust-Verlages im Oktober 2008 auf dem Treppchen gelandet sind und damit veröffentlicht wurden. Die komplette Geschichte können Sie nachlesen in der Februar-Ausgabe 2009 der SL Print, zu bestellen beim Schreib-Lust-Verlag.

„Ich werde se einfach kaltmachen! Ja, genau ... erst les ich ihr die Horoskope vonne letzten acht Wochen vor, dann sag ich ihr, dat ihre Sterne für morgen total beschissen stehn un dat ich se vorsichtshalber lieber umbring. Un dann mach ich se kalt!“

Im Gesicht von Siggi Wagner verzog sich die Narbe über dem linken Auge zu einem Blitz aus verletzter Haut.

„Ach hör schon auf zu spinnen, Siggi. Gar nix machste. Viel Geblubber un nix dahinter.“

Maggy, die üppigste Wirtin von ganz Dahlhausen, wie sie sich selbst nannte, stellte ihm noch ein Pils auf die Theke. „Du kannst die Annemie doch gar nich umbringen. Hier trägste brav jede Spinne raus, die stört, un daheim willste den Revolverhelden geben? Nie in Leben!“

Zwischen zwei Pils

Foto: Christian Steinkrüger

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