Der grausame Jagomir, Chef der Unterwelt, war daraufhin erschienen und hatte ihm den Fluch verpasst, nach dem Tode selbst ein Geist zu sein. Aber nicht ohne Ausbildung! Die Gruselkabinette dieser Welt waren und sind voll von Geisterpraktikanten, die einmal denselben Fehler gemacht haben.

„Ich hab keine Lust mehr auf den Blödsinn hier. Schon bald sitze ich bei Jago am Tisch“, zischte Benni. „Morgen Abend wird er mich freudestrahlend in seine Tafelrunde aufnehmen und ich bin den miesen Job los!“

Seine Augenhöhlen begannen zu glühen. Im weiten Bogen zog er die Sense nach hinten und holte Schwung.

„Ich glaube, du hast nur eine Stinkwut auf deinen unpassenden Namen und deine Klamotten. Verstehe ich aber nicht! Sei froh, dass wir bei Luzi sind und nicht auf der Schweinchenbahn als Kinderschreck.“ Aribert hatte noch Pause.

Benni erwartete den nächsten Wagen und sein weißes Nachthemd blähte sich im Wind. Ein tiefes Lachen gurgelte durch die Luft, als die Sense über die Köpfe der Passagiere schwang.

„Huuaaahhhaaahhaaa ... huuuuuaaahhhaaahhhaaaa!“

Zehn Meter weiter: „Ich hab auf dich gewartet!“

„Du wirst noch kleine Kinder erschrecken“, röchelte Benni näselnd, „da plane ich längst die dicken Dinger mit Jago, glaub‘s mir!“

„Der Herrscher der Geisterwelt wartet sicher sehnsüchtig auf einen Totenkopf im Nachthemd, der seit drei Jahren unter Schnupfen leidet!“

Das rote Leuchten in den Höhlen des Schädels mit Kittel drunter war erloschen. Auf diese Frotzelei wusste der junge Geist keine Antwort.

„Müscht ihr denn immer scho tschanken?“ Charly Savage rief von der Balustrade herein. Durch die Türe, die die Wagen bei der Einfahrt in die obere Etage aufstießen, konnte der Riesenaffe die beiden Hauptattraktionen der Gruselbahn streiten hören. Seit er letzten August beim Aufbau aus dem ersten Stock gekracht war, fehlten ihm einige Zähne und dem Besitzer des Fahrgeschäfts das nötige Kleingeld zur Reparatur.

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Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu jenen, die beim Schreibwettbewerb des Schreib-Lust-Verlages im Dezember 2009 auf dem Treppchen gelandet sind und damit veröffentlicht werden. Die komplette Geschichte können Sie nachlesen in der Februar-Ausgabe 2010 der SL Print, zu bestellen beim Schreib-Lust-Verlag.

Aribert von Quellstein ging in Position. Seine von Spinnweben durchsetzten Hände hoben sich wie von einer Marionettenschnur gezogen.

„Mein Führungsgelenk bräuchte dringend etwas Öl“, flüsterte er fluchend in die Dunkelheit.

„Heulsuse“, stichelte Benni Windbeutel auf dem Weg in seine Ausgangsposition. „Du memmenhafter Halbgeist!“ Er wusste, dass Aribert nicht gleich würde antworten können. Wagen zwölf nahte.

Der ehemals Adlige schoss hinaus ins Licht, bis er gegen die Sperre seiner Schiene knallte und in der für ihn gewohnten Schieflage die Axt in seinem Kopf nachfederte. Er war bereit für seine Arbeit und brüllte aus Leibeskräften: „Ich hab auf dich gewartet“. Der Satz erklang, wie immer, im wilden Ritt über alle Tonleitern und verfehlte seine Wirkung nicht. Dem Schrei folgte unmittelbar ein zweiter, diesmal aus dem vorbeirauschenden Gefährt.

„Wir haben hier noch eine Weile auszuhalten, Benni, da ist gute Pflege wichtig. Und hör die Stichelei auf. Find dich damit ab, dass du erst am Anfang stehst.“

Seit drei Jahren taten sie auf ‚Luzifers Gruselbahn‘ gemeinsam ihre Pflicht. Aribert hatte zu Lebzeiten, vor über einem Jahrhundert, blöderweise die Existenz von Gespenstern geleugnet.

Einsch, tschwei ... jetsch!

Foto: Christian Steinkrüger