Eine Heldengeschichte sollte es sein. Doch wer ist eigentlich ein Held? Ist nicht die Bewältigung des immer schneller werdenden Alltags nicht auch schon ein Epos wert? Vielleicht. Aber wie geht es wohl jemand, dessen Alltag auf Tempo Null gedrosselt ist?

Ein Stück den Hügel hinauf saß ich, bewunderte dich, als du auf unserer Hochzeitsreise am Steg in den Velencei-tó im Spiel der Zehen im Wasser deine Kindheit heraufzuholen vermochtest. Gänsedreck und Kuhmist hätten dich überhaupt erst so groß werden lassen, sagst du. Deine Eltern haben immer befürchtet, dass ein Mädchen von mehr als einem Meter siebzig auf dem Land niemals einen Mann finden könnte. Seit du vierzehn warst stand für dich fest, dass du nur einsneunundsechzig wirst. Egal wie. Unfassbar, dass es tatsächlich heute in deinem Pass steht. Oh, mein Sommer endet. Die Schale naht.

Ich hasse die Schale. Elendig kaltes Teil. Wenn sie den Beutel wechseln, stellen sie mir das Ding immer auf den Bauch. Mit der Schale kommt mein Winter.

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Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu jenen, die beim Schreibwettbewerb des Schreib-Lust-Verlages im April 2010 auf dem Treppchen gelandet sind und damit veröffentlicht werden. Die komplette Geschichte wird veröffentlicht in der August-Ausgabe 2010 der SL Print, zu bestellen beim Schreib-Lust-Verlag.









Ich kann dich nur sehen, wenn dein Gesicht genau über meinem ist. Wie in einer engen Schlucht, in der das Licht den Boden erreicht, wenn die Sonne im Zenit steht. Deine Stimme bewegt mich tief, deine Berührung lässt mich ahnen, dass ich noch existiere. Du hörst mich leider nicht. Ich rede mit dir. Anders. Aber ich tue es. Eigentlich das Einzige, was mich am Leben hält. Meine Gedanken kann ich spüren, mich selbst fühle ich so gut wie nicht mehr. Die innere Uhr ist stehen geblieben. Stunden sind dasselbe wie Minuten. Eine Sekunde, ein Monat ... wie fühlt sich der Unterschied an? Ich habe es vergessen. Ist gerade Sommer oder Winter?

Das Piepsen. Ich hasse das Piepsen. Wie jemand, der den ganzen Tag einen halben Meter hinter mir geht und sich ständig räuspert, um zu zeigen, dass er immer da ist. Ich bin ... nie allein.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, welche Jahreszeit. In meinem Sommer sehe ich deine Haare, wie sie im beständigen Wind der Puszta wehen und ihre Pracht mit den Mähnen der Pferde konkurriert.

Der Fingerzeig

Foto: Christian Steinkrüger